Moonwalk on Lanzarote

ein Abenteuer, in dem aus Fremden Freunde wurden

Author: Hanna Goldfisch // Photographer: André Josselin

FASTEN YOUR SEATBELT

Ein Kid from the Hill allein auf Reisen. Eigentlich unvorstellbar. Trotzdem: Als mich André Josselin vor ein paar Wochen fragte, ob ich Lust hätte mit ihm für AirBerlin nach Lanzarote zu fliegen, war ich sofort am Start.

Während wir am Gate darauf warten, endlich boarden zu dürfen, werden wir das Gefühl nicht los, dass es nicht nach Lanzarote, sondern auf zum Ballermann geht. Die Kombination aus geschmacklosen Föhnfrisuren, Goldkettchen und schlechten Mottoshirts sind ausschlaggebend dafür, dass sich bei mir die Nackenhaare aufstellen. So steigen wir in den Flieger in der Hoffnung, dass wir dem typisch deutschen Pauschalurlauber nur während unserer Flugzeit ausgesetzt sind. Eigentlich wäre alles ganze wunderbar, wäre da nicht mein Laptop, der sich genau jetzt dazu entschließt, den Geist aufzugeben. Mithilfe telepathischer Fähigkeiten versuche ich meinen Rechner wieder zum Laufen zu bringen und seine Antwort auf mein stummes Betteln ist ein grauer Bildschirm mit blinkenden Fragezeichen. Toll! André dagegen hat so seine Schwierigkeiten, es sich richtig gemütlich zu machen. Denn der eigentlich leere Nachbarsitz wurde verkauft und zwar an einen Sumoringer. Der einzige Lichtblick ist unsere strahlende Flugbegleiterin Frau Richter, die uns sämtliche Fragen rund um den Metallvogel geduldig beantwortet. So ist es uns nun endlich möglich, dass Mysterium rund um die Aschenbecher in Flugzeugen zu lüften. Danke Frau Richter!

Kids from the hill travel blog lifestyle blog moonwalk on lanzarote andre josselin image Hand am Flugzeugfenster  

HELLO LANZAROTE

Uns ist schon ein wenig nach Lachen zumute, als wir im Hotel in Costa Terquise einchecken. Wir sind tatsächlich in einer Bettenhochburg gelandet, die so angelegt ist, dass man während seines kompletten Aufenthalts keinen Fuß vor das Hotel setzen muss. Der absolute Albtraum für uns und gleichzeitig ein wahrgewordener Traum für die Tennissocken-Sandalen-Fraktion. Deswegen sind wir umso glücklicher, dass unser erster Abend nicht im Hotel, sondern an der Promenade von Arrecife endet. Während das Mondlicht die Salzwasserlagunen des Charco de San Gines bestrahlt, genießen wir zusammen mit Siri und den Astrologo-Brüdern (die genau wie André, für Airberlin vor Ort sind) im Tapasrestaurant Tasca la Raspa, unser Essen mit höllisch gutem Inselwein.

 

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Kids from the hill travel blog lifestyle blog moonwalk on lanzarote andre josselin image Mondschein Lanzarote  

THE SPIRIT OF LANZA

Sobald wir den Tourihotspot von Costa Tequise verlassen und über die Insel fahren, schüttle ich meine innere Rastlosigkeit ab und fange an, mich zum ersten mal richtig wohl zu fühlen. Lanzarote ist eine Naturgewalt. Das Raue Meer des Nordatlantiks umrahmt die Vulkaninsel mit seinen tosenden Wellen, während die kahle Einöde in der Abenddämmerung in ein diffuses Licht getaucht wird. „Als wäre man auf dem Mond gelandet“, sagt André, während mir zeitgleich dieselbe Beschreibung durch den Kopf geht. Die nächsten Tage fahren wir immer wieder rund um die Insel, auf der Suche nach den perfekten Locations, um Fotos zu machen. Wir reden über belanglose und ernstzunehmende Themen, lachen miteinander oder hören einfach nur Musik und genießen dabei die atemberaubende Kulisse.

 

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BAILEYS AND A GOOD CONVERSATION

Es ist Nachmittags und die Sonne brennt vom Himmel, während wir an der Hotelbar im Schatten einen Baileys nach dem anderen kippen. Alles passt so herrlich ins Klischee des All-Inclusive- Traumurlaubs. Wir sind umgeben von weißfleischigen Touristen, die voller Wollust ihre Burger mit Fritten in sich reinstopfen und dabei den Animateuren freudig, wie dressierte Seelöwen, zuklatschen. Wir dagegen bleiben beim Baileys. Nach dem sechsten Drink ist auch die Zunge weitestgehend gelockert und wir unterhalten uns über Ängste, Zukunftsvisionen und Herzschmerz. Noch vor ein paar Tagen war André für mich ein unbekannter Typ aus der Facebook-Matrix, den ich nur kurz auf eine Cola in Berlin getroffen hatte. Doch jeden Tag an dem ich mehr Zeit mit ihm verbringe, wird mir der Jonge symphatischer.

 

CREATING MEMORIES

Die Zeit vergeht wie im Flug und plötzlich ist er gekommen, unser letzter Tag auf Lanzarote. Die Insel auf der man Stille und atemberaubende Schönheit findet oder sich dem Vollpension-Lifestyle hingibt, um den sieben Todsünden zu fröhnen. Wir setzen uns ins Auto und fahren einfach los Richtung nirgendwo, denn wir wollen die Ursprünglichkeit und Rauheit der Insel in uns aufsaugen, bevor uns der Flieger zurück nach Deutschland bringt. Die Playlist läuft wie in den letzten Tagen in Endlosschleife, während wir die Hände aus den Fenstern halten und ein letztes Mal zu unseren Lieblingsspots fahren. Tagsüber zieht es uns nach Westen, vorbei an den Steilküsten, wo die meterhohen Wellen gegen die dunklen Klippen prallen. Den Famara Beach im Norden heben wir uns aber bis zum Schluss auf.

 

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THE STREET TO FAMARA

Der ursprüngliche Masterplan von André ist eigentlich ein Motiv von mir im Meer. Bessergesagt mein Arm, der aus dem Meer ragt und dabei eine brennende Wunderkerze hält. Ein wenig skeptisch schaue ich auf den Atlantik, wo die Surfer auf den aufgepeitschten Wellen reiten und frage mich, warum wir uns dafür ausgerechnet den Famara Beach ausgesucht haben. Die Strömung würde mich und meine Wunderkerze, noch bevor André den Auslöser drückt, einfach raus ins Nirgendwo ziehen. Da der Plan flachfällt, fahren wir unentschlossen zurück auf die Hauptstraße und beobachten die tiefstehende Sonne, die sich zwischen die Wolken schiebt. Links und rechts erstreckt sich endlose Felswüste und wir beschließen einfach bei der nächstgelegenen Möglichkeit zu parken und noch ein paar Fotos auf dem offenen Gelände zu schießen. Gesagt getan. Nachdem wir unseren liebgewonnen Opel Zafira auf dem Feldweg abgestellt haben, genießen wir die letzten Minuten mit dem brachial geilen Licht und kehren zurück zum Wagen. Wer hätte gedacht, dass wir dort noch die nächsten vier Stunden mit jeder Menge Trouble verbringen sollten?

 

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STUCK IN THE MIDDLE OF NOWHERE

Wir stecken fest! Es wird dunkel und die Reifen unseres Wagens haben sich auf der Suche nach festem Untergrund einfach wie zwei Wühlmäuse in den Sand eingegraben. Großartig! „Und jetzt?“, frage ich. „Snapchatstory“, entgegnet André. Wir lachen beide wie zwei Geistesgestörte in unserer Familienkutsche. Nachdem wir die erste Story hochgeladen haben, bekommen wir den äußerst „hilfreichen“ Tip, die Fußmatten unter die Reifen zu schieben. Zack, sind die Matten unter den Reifen vergraben und der Motor qualmt. Während André versucht die Polizei zu erreichen, stehe ich verzweifelt lachend, mit hysterischem Blick und meinem Lieblingskrähengewand am Straßenrand, um ein Auto anzuhalten. Fehlanzeige! Mittlerweile ist es stockdunkel und wir warten auf die Polizei, die schon vor unserem Anruf von vorbeikommenden Autofahreren informiert wurde. Irgendwie klar, dass sich Lanzarote das Beste bis zum Schluss aufgehoben hat, damit wir die Insel bloß nicht vergessen.

 

SOS BEACHBOYS

Wir verkürzen unsere zweistündige Wartezeit hauptsächlich mit Snapchatstorys. Und dann, ganz unverhofft, bekommen wir Hilfe. Nicht von den Bullen. Nein! Ein Jeep voller Russen, Spanier und Marrokaner eilt uns zur Hilfe. Endlich! Problem ist nur, dass selbst eine achtköpfige Truppe den Karren keinen Zentimeter vorwärts schieben kann. Der Jeep muss her. Während wir das Abschleppseil an dem Wagen befestigen, gesellt sich auch endlich die Polizei zu uns. Mit deren fachmännischer Hilfe stecken kurz darauf gleich zwei Autos fest.

 

ALL IN ALL

Am Ende haben wir es mithilfe eines Abschlepptrucks tatsächlich geschafft, zurück auf die Straße zu kommen. Hundemüde und total verdreckt sitzen wir mit den Astrologo-Brüdern auf unserer Veranda, trinken Dosenbier und erzählen ihnen lachend von unserem Famara-Beach Desaster. Während ich erschöpft in den Nachthimmel hinauf schaue und unsere chaotische Zeit Revue passieren lasse, wird mir klar, dass genau solche Erlebnisse Erinnerungen schaffen, die man so schnell nicht mehr vergisst. Für mich war diese Reise gold wert, denn ich habe nicht nur einen Haufen liebenswürdiger Helfer zur Stelle gehabt, als der Karren sprichwörtlich aus dem Dreck gezogen werden musste, sondern mit den Astrologo-Brüdern und André ein paar wirklich coole Dudes kennengelernt.

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