Der Wilderness Nationalpark

Kids from the Hill

ANKUNFT IN WILDERNESS

Als wir die kleine Küstenstadt an der Gardenroute endlich erreichen, ist es bereits dunkel. Wir fahren über die N2, eine Bundesstraße, die den indischen Ozean von Wilderness trennt. Unsere Unterkunft liegt ca. 10 Minuten außerhalb von Wilderness, am Rand des Nationalparks. Der Tag auf der Route 62 hat uns müde gemacht, und wir sind froh, als wir an unserem Hostel, dem Fairy Knowe Backpackers, ankommen. Ein kleines Lagerfeuer leuchtet uns den Weg zum Check In, und an der Theke wartet ein drei Meter Dude mit Rapunzel-dreads. Die Hippieversion von Rübezahl begrüßt uns freundlich und zeigt uns das Zimmer, was die nächsten zwei Nächte unser Zuhause sein wird. Die Schlafbereiche liegen etwas abseits auf einer kleinen Anhöhe, und unser Zimmer trägt den Namen „Kingfisher“. Nachdem wir unsere Bleibe in einen kleinen Chaospalast verwandelt haben, schlendern wir zurück zum Check In.

Die Bar wirkt wie ein kleines hölzernes Zirkuszelt, und als wir eintreten, empfängt uns, na wer wohl? Der Rastadude vom Checkin. Der Zwillingsbruder von Ferris Mc bringt die Drinks, die  wir kurz zuvor geordert haben und fragt uns nuschelnd nach Weed. Mikey tauft ihn kurzerhand Lippe. Lippe gesellt sich mit seinem Malblock zu uns, baut einen überdimensionalen Joint aus dem Gras, was er von Mikey geschnorrt hat, und steckt sich die Lunte an. Qualmend erklärt er uns, dass er in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne doodelt und dass er an die beste Weedquelle von ganz Wilderness kommt. Ist klar. Nach dem Smalltalk mit Lippe gehen wir zur kleinen Feuerstelle, die uns beim Check in den Weg geleuchtet hat. Wir setzten uns auf ein paar alte Baumstämme, die rund um das Lagerfeuer verteilt sind und blicken gedankenverloren in die leuchtenden Flammen. Die Grillen zirpen in der Dunkelheit und ein alter Stefford Terrier, der eigentlich Wachhund spielen soll, lässt sich gemütlich von Till am Ohr kraulen. Wir lassen den Tag Revue passieren, während das Feuerholz knistert und die aufsteigenden Funken von der Nacht verschluckt werden. Eigentlich sind wir hundemüde und wollen nur noch tot ins Bett fallen. Leider sind die Bettlaken sind nicht nur kalt, sondern auch klamm, was an der hohen Lutfeuchtigkeit liegt. Keine idealen Voraussetzungen für einen behaglichen Schlaf. Egal. Till und Mikey trinken die halbe Nacht auf der Terasse und ich packe mich im Zwiebellook unter die feuchten Laken.

DER ERSTE MORGEN IN WILDERNESS

Als wir morgens aufwachen, hat es gerade aufgehört zu regnen, und die Sonne schiebt sich durch den wolkenverhangen Himmel. Wir haben immer noch das Problem mit der hohen Luftfeuchtigkeit, die uns nicht nur in der Nacht sondern auch am Tag verfolgt. Welcome to the Affenkäfig. Feucht und heiß. Nicht erotisch sondern schweißtreibend und das morgens um 10 Uhr. Erst jetzt nehmen wir zum ersten Mal seit unserer Anreise die Umgebung wahr. Das Hostel liegt eingebettet zwischen dem Touwes River und den immergrün bewachsenen Outeniqua Bergen und wirkt wie eine kleine verschlafene Hippiekommune. Heute wollen wir durch den Wilderness National Park wandern und uns den Wasserfall ansehen, von dem Mikey so viel erzählt hat. Wir sind gespannt und hoffen, dass das Wetter uns keinen Strich durch die Rechnung macht. Zum Frühstück gönnen wir uns ein leckeres Müsli und ein ganz köstliches Gemüseomelett im Guesthouse. Die Eier kommen von den hauseigenen Hühnern. Die spazieren gemütlich durch den Garten und spielen Verstecken zwischen den frischgewaschenen Laken, die dort zum trocknen hängen.

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Gesättigt und gestärkt wandern wir in die Richtung des National Parks, der ca. 2 km vom Farie Knowe Backpackers entfernt liegt. Die Sonne hat mittlerweile den Kampf gegen den grauen Himmel gewonnen und strahlt uns aus voller Kraft entgegen. Wir laufen die stillgelegte Eisenbahnstrecke entlang, die parallel zum Wilderness National Park verläuft. Dabei balancieren wir auf den verrosteten Gleisen und kämpfen uns durch hüfthohes Gras.

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DER HALF COLLARED KINGFISHER TRAIL

Nach zwanzigminütigem Fussmarsch entdecken wir den Eingang zum Wilderness Nationalpark. Vor uns liegt einsam und verlassen der Eingang zum „Half Collared Kingfisher Trail“. Ein Holzpfad schlängelt sich durch den dicht bewachsenen Wald und verschwindet hinter riesengroßen Farnen. Wir folgen dem gut ausgebauten Weg, der uns in den schattigen Forst führt.

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Der einfache Wanderweg lotst uns an den meterhohen Yellowwood Bäumen vorbei. Die Baumkronen hängen wie überdimensionale Schirme über unseren Köpfen und wir genießen den Schutz vor der Sonne. Als wir eine Lichtung erreichen, haben wir einen sensationellen Ausblick über die wildbewachsenen Berghänge. Im Tal hängen graue Nebelschwaden und wir marschieren durch ein Tor aus knorrigen Ästen, die mit üppig grünen Blättern geschmückt sind. Parallel zum „Half Collared Kingfisher Trail“ verläuft der „Touws River“. Diesen müssen wir mit einem kleinen Floss überqueren, um zum „Giant Kingfisher Trail“ zu gelangen. Von weitem sehen wir eine Gruppe kleiner, wohlgenährter Mädchen, die bis zu den Knien im Wasser hängen und undefinierte quietsch-Laute von sich geben. Als wir näher kommen, hören wir, dass sie auf deutsch gackern und hassen sie natürlich gleich. Nicht weil sie klein und dick sind, sondern weil sie deutsche Touristen hier in Wilderness sind. Was fällt denen ein? Was wollen die hier?

DER GIANT KINGFISHER TRAIL

Als wir an der Anlegestelle ankommen, wartet bereits das Floß, und wir ziehen uns mit den angebrachten Seilen über den steinigen Fluss. Auf der anderen Seite angekommen sind es nur noch wenige Kilometer zum „Touwe River Waterfall“. Wir marschieren den Wanderweg entlang und über Holzstege, die an den Bergen befestigt wurden. Aus der Ferne hören wir das bedrohliche Plärren der Paviane die in den Wäldern des „Wilderness Nationalparks“ Zuhause sind. Die Besucher des Parks sind die perfekte Beute für Affen, da sie in den meisten Fällen Proviant mitschleppen. Als wir ein Stück weiterlaufen, hören wir es wenige Meter von uns entfernt in den Büschen rascheln. Alamiert schauen wir uns um. Mikey hat uns mit seinen Affengeschichten etwas unruhig gemacht. Keiner von uns hat Lust, sich mit einer hungrigen Pavian-Horde zu kloppen. Außer, dass sich ein „Planet der Affen“ Kopfkino in unseren Gehirnen abspielt, passiert allerdings nichts.

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DER TOUWE RIVER WATERFALL

Nach unserem fast zwei stündigen Wandermarathon erreichen wir endlich den „Touwe River Waterfall“. Dort befinden sich kleine Lagunen, die von riesigen Felsen über mehrere Ebenen eingerahmt werden. Durch den hohen Eisengehalt schimmert das Wasser in einem rostigen Braun.

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Der Kontrast zwischen den grauen, monströsen Felsen, über die wir klettern, dem rostbraunen Wasser und dem leuchten grünen, einsam vor uns liegenden Dschungel, raubt uns den Atem. Einen besseren Platz zum Entspannen könnten wir uns in diesem Moment nicht vorstellen. Schuhe aus und Sonne tanken. Erschöpft hängen wir unsere strapazierten Füße in das eiskalte Wasser. So erfrischend. Wir haben eine wunderbare Aussicht auf die Wälder und den Fluss, balancieren über Felsvorsprünge und ruhen uns noch ein wenig aus, bevor es auf den Rückweg zum Hostel geht. 

UNSER EINDRUCK VOM WILDERNESS NATIONALPARK

Der Tag im Wilderness Nationalpark, war für uns ein einmaliges Erlebnis. Wir dachten, wir werden Opfer von Touristenschwärmen, doch das blieb uns zum Glück erspart. Der Wanderweg ist überschaubar und war auch für uns Faultiere ganz einfach zu meistern. Dabei haben wir sehr viel schöne, unberührte Natur gesehen und fühlten uns wie auf einer Expedition durch den Dschungel. Am Wasserfall kann man den zurückgelegten Weg noch einmal wunderbar auf sich wirken lassen. Die perfekte Belohnung nach einem langen Fußmarsch.

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Not valley but ... ? (four letters, all lowercase)

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