Auf der Route 62 nach Wilderness

Trippin' in South Africa

Hanna Goldfisch & Till van Loosen

URLAUB VON KAPSTADT

Wir lieben Kapstadt. Schon einen Monat lang haben wir hier jeden Stein umgedreht und jeder Eidechse „Hallo!“ gesagt. Aber wir wollen mehr. Einmal raus aus der City, rein in die Natur und uns ein bisschen frischen Wind um die Nase wehen lassen. Mikey, unser bester Freund in Kapstadt, weiß zum Glück genau, was die Kids from the Hill Gäng braucht. Urlaub vom Urlaub. Als er den Namen Wilderness fallen lässt, stehen wir da wir zwei Erdmännchen. Wilderness. Allein der Name ist der perfekte Titel für einen Abenteuerfilm. Wie ein Märchenerzähler schwelgt er in Erinnerungen an seinen letzten Besuch. „ Auf der einen Seite ist der Dschungel, wo dich ein Wanderweg zum Wasserfall lotst und dann läufst du über die alten Bahngleise und bist plötzlich am Meer. Wie geil ist das denn bitte?“ Das fragen wir uns auch. Wir wollen dahin. Jetzt gleich, am besten sofort. Viel Planung benötigt unser Roadtrip nicht. Wir brauchen nur ein Auto und Mikey.  Er ist nicht nur der beschte Reiseguide ever, sondern auch der Master im Linksverkehr. Mit dem Mietwagen machen wir uns auf nach Wilderness. Ein dreitägiger und hoffentlich abenteuerreicher Roadtrip liegt vor uns. Wir fahren raus aus der Stadt, vorbei an den Townships, wo Kühe in aller Seelenruhe vor den Häusern und Wellblechhütten grasen. Daneben veranstalten die Dorfbewohner ein Feuer aus Autoreifen, in einem Blechcontainer. Dicker, grauer Rauch steigt in den Himmel und schiebt sich vor die Wolken am Horizont.

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AUF DEN STRAßEN NACH WILDERNESS

Wir achten nicht auf die Beschilderung oder Ortsnamen, wir lassen uns einfach treiben. Immer gerade aus, der Sonne entgegen. In regelmäßigen Abständen, kreuzen hier und da kleine Orte unseren Weg, die zur Pause einladen. Nach einer Weile auf der Straße machen wir in einem idyllischen Dorf halt. In den Seitenstraßen stehen bunte, in die Jahre gekommene Häuser, deren Zäune mit alten Töpfen und Pfannen geschmückt sind. Ein paar Zäune hat die afrikanische Tine Wittler mit gebrauchten Autoreifen dekoriert. Auf unseren Weg nach Wilderness zählen wir immer weniger Häuser und Menschen, bis nur noch die weite Landschaft vor uns liegt. Hier und da dreht ein verrosteter Traktor einsam seine Runden. Die Erde ist so trocken, dass der Trecker, beim umpflügen der Felder, riesige Staubwolken hinter sich herzieht.

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DIE ROUTE 62

Wir fahren auf der Fernstraße, der Route 62, deren Name an die legendäre Route 66 in Amerika erinnert. Die Route 62 erfreut sich nicht derselben Beliebtheit wie ihre Schwester Gardenroute. Beide Straßen führen nach Port Elizabeth, nur dass die Gardenroute entlang der Küste - und die Route 62 einmal quer durchs Land - verläuft. Sie hat aber gerade deshalb ihren ganz eigenen Charme. Man kommt sich oft vor wie der letzte Mensch auf Erden, während man die leergefegte Straße ungebremst entlang fährt. Einsam und allein liegt der Highway vor uns und wir sehen das Flirren des Asphalts aus der Ferne. Die Route 62 ist eine der längsten Weinstraßen der Welt, was selbst wir als Nicht-Kenner an den unzähligen Wein Anbaugebieten erkennen können, die wir passieren. Sie führt uns durch das kleine Karoo, das uns mit seinen weiten Wüstenlandschaften und schroffen Felsmassiven begrüßt. Der Kontrast vom strahlend blauen Himmel, der von den massiven Gebirgspässen eingerahmt ist, raubt uns den Atem. Der Wagen rast den einsamen Highway entlang. Wir hängen die Beine aus dem Fenster und wippen mit den Füßen zum Takt von Number of the Beast.


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DIE TOTE STRAßE AUF DER ROUTE 62

Uns fällt auf, dass sich die Farbe der Berge mit dem jeweiligen Sonnenstand verändert. Noch vor ein paar Stunden war die Landschaft in ein tristes Braun gehüllt. Jetzt schimmern die Felsformationen in einem satten gelbbraunen Farbton. Lange Zeit sehen wir nichts und Niemanden auf unserem Weg, durch die weite Einöde. Und doch machen wir nach einer Weile ein verlassenes Straßenstück aus, das parallel zum Highway verläuft. Mikey parkt den Wagen am Straßenrand und wir hüpfen über ein verrostetes Tor. Die menschenleere, tote Fahrbahn schlängelt sich ziellos durch die Landschaft und wir überlegen wo sie wohl einmal hingeführt hat. Der Asphalt ist an mehreren Stellen aufgebrochen und es blühen vereinzelt gelbe Blumen darauf. Es tut gut, sich bei einem kleinen Spaziergang die Beine zu vertreten und zu sehen wie die Natur Stück für Stück die Straße verschlingt.

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DAS GEISTERHAUS AUF DER ROUTE 62

Es ist bereits Mittag und die Sonne brennt auf die karge, trostlose Landschaft, während unser Wagen auf der Route 62 entlang rollt. Wir lauschen der Playlist von Till und lassen die beruhigende Szenerie auf uns wirken, als wir plötzlich ein ausgebranntes Haus entdecken. Mikey hält an und wir zwängen uns durch den Stacheldraht, um uns das Grundstück aus der Nähe anzusehen. Das Feuer, das dort gewütet haben muss, hat bis auf die Grundmauern und einen Berg voll Schutt und Asche nichts zurückgelassen. Wir klettern über verkokelte Dachbalken und erforschen jedes einzelne Zimmer. Das Haus selbst hat sich über die Jahre wie ein Chamäleon an die umliegende Landschaft angepasst und schimmert zum Teil in einem satten Rotbraun. Auf dem Rückweg zum Auto tritt Mikey, der wie immer barfuss unterwegs ist, in einen Stachelhaufen. Halb lächelnd, halb schmerzverzerrt, zieht er sich die Dornen aus der 5 cm dicken Hornhaut und humpelt mit uns zurück zum Auto.

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kids from the hill travel blog south africa cape town wilderness roadtrip route 62 hanna goldfisch vor dornen im fuss  

RONNIES SEXSHOP AUF DER ROUTE 62

Wir sind insgesamt 5 Stunden unterwegs, als wir ein Schild am Straßenrand entdecken. Es verspricht eiskaltes Bier und das nur noch wenige hundert Meter entfernt. Inmitten der Stein- und Geröll- Wüste erreichen wir die heilige Bierkathedrale. Ronnies Sexshop. Unser Messias Ronnie, ein in die Jahre gekommener Rocker Santa Claus, hat seine Bar liebevoll mit Damenunterwäsche dekoriert. In der schummrigen Bar hängen unzählige BH´s, Postkarten, und Baumwollschlüpfer von der Decke. Hinter der Theke lacht uns Ronnie stolz an. Er und seine Frau betreiben das Pub seit unzähligen Jahren und stauben von jedem weiblichen Touristen BH oder Unterhose ab. Da Hanna weder das eine noch das andere trägt, haben sie in unserem Fall leider Pech gehabt. Bier bekommen wir trotzdem. Mitten im Nirgendwo sitzen wir schwitzend und mit einem kühlen Bier in der Hand unter einem Sonnenschirm. Glücksgefühle gibt´s gratis dazu. Auch wenn wir bei Ronnie am liebsten noch Tage verbringen würden, müssen wir los. Also exen wir unser Bier, mit dem Versprechen, auf der Rückfahrt auf alle Fälle zurückzukommen.

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kids from the hill travel blog south africa cape town wilderness roadtrip route 62 hanna goldfisch haende  

DER SONNENUNTERGANG AUF DER ROUTE 62

Langsam schlendern wir zurück zum Wagen und fahren los. Es beginnt zu dämmern, die Reifen rollen gleichmäßig über den aufgewärmten Asphalt und wir beobachten, wie sich der Himmel von Blau zu einem warmen Orange verfärbt. Durch die Spiegelung der Autoscheibe wirkt die Umgebung surreal und wunderschön zugleich. Wie ein gigantisches Aquarellgemälde liegt die Landschaft vor uns. Es ist ein unendliches Gefühl von Freiheit, das uns auf unserer Reise begleitet. Der Tag auf der Route 62 war schonmal der perfekte Einstieg für zwei weitere unvergessliche Tage.

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