Ronnie's Sex Shop

Roadtrippin' in South Africa

Hanna Goldfisch & Till van Loosen

ABSCHIED VON WILDERNESS

Es ist noch früh am Morgen, als wir uns mit dem Auto auf den Rückweg nach Kapstadt machen. Wir fahren raus aus Wilderness und stoppen an einer Parkbucht, um uns zu verabschieden. Die kleine Küstenstadt liegt verschlafen vor uns und wir beobachten das Meer, das gemütlich ans Ufer rollt.

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Wir freuen uns auf die Rückfahrt auf der Route 62 und auf Bier. Bier mit Ronnie. Der alte, lustige Kauz besitzt eine Bar namens „Ronnies Sexshop“, mitten in der Wüste. Er hat sozusagen die alleinige Herrschaft über eisgekühltes Bier, da es meilenweit davor und danach nichts als Steppe und Berge gibt. Jeden Tag stoppen dort dutzende Durchreisende, um sich ein kaltes Getränk oder einen Snack zu gönnen. Schon auf der Hinfahrt nach Wilderness hatten wir eine so gute Zeit bei Ronnie, dass wir gar nicht mehr gehen wollten. Seine kleine, wortwörtlich schräge Bar, hat auf uns eine magische Anziehungs-kraft. Sie wirkt wie eine Tarantino Kulisse, in der man irgendwie nur drauf wartet, wann das Geballer wohl los geht. 

Vielleicht wird's ja heute was?


 

ZURÜCK AUF DER ROUTE 62

Als wir die Route 62 erreichen, wirkt alles noch schöner als vor 2 Tagen. Kleine dicke Wolken ziehen über den strahlend blauen Himmel und werfen vereinzelt Schatten auf die Straße. Wir halten mitten auf dem Highway, um die beeindruckende Szenerie festzuhalten. Der dunkle Asphalt mit den gelben Seitenstreifen bildet einen klaren Kontrast zu der staubig, braunen Wüste. Wir sind in der Welt von Super Mario Kart gelandet, nur ohne Luigi und Yoshi. Mikey tritt das Gaspedal durch und wir rasen mit unserem Wagen die verlassene Route 62 entlang.

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Die Sonne steht schon hoch am Himmel, als wir aus der Ferne den kleinen, weißen Bungalow mit der roten Aufschrift „Ronnies Sexshop“ erkennen. Uns packt die Vorfreude. Es ist mittlerweile heiß geworden. Wir wollen uns bei einem Bier abkühlen, etwas essen und einfach eine Runde entspannen. Der Wagen rollt über den Schotter und kommt neben einem kaputten Traktor zum Stehen. Wir steigen aus und schlendern zu Ronnies Bar. 

RONNIES SEXSHOP

Ronnie der eigentlich Ronald heißt, empfängt uns im selben Outfit, das er schon vor 2 Tagen anhatte. Lachend erzählt er uns alle möglichen Geschichten aus seinem Leben. Dabei erfahren wir auch, warum seine Bar eigentlich „Ronnies Sexshop“ heißt. Angefangen hat alles mit einem kleinen Bauernladen, in dem Ronald regionales Gemüse und Obst anbot. Doch das Geschäft lief schleppend. Eines Nachts pinselten Ronnies betrunkene Freunde mit roter Farbe zwischen „Ronnies“ und  „Shop“ das Wort „Sex“. „Ronnies Sexshop“ war geboren.

Für Ronnie änderte sich auf einen Schlag alles. Immer mehr Touristen wurden neugierig und wollten wissen, was sich hinter dem kuriosen Namen verbirgt. Seine Bar wurde der lebende Beweis für „Sex sells“. So nahm alles seinen Lauf und der Rest, erklärt er schmunzelnd, ist Geschichte. Natürlich verkauft er mittlerweile kein Obst und Gemüse mehr, sondern eher Hochprozentiges. Souvenirs und Snacks hat er aber trotzdem mit im Angebot. In der staubigen Bar ist es angenehm dunkel und kühl. Während wir Ronnies Geschichten lauschen, läuft auf dem kleinen Fernseher in der Ecke ein Fußballspiel. Nachdem die Märchenstunde zu Ende ist, zieht es uns nach draußen. Wie ein paar Vampire blinzeln wir der blendenden Sonne entgegen. Mit drei Flaschen Black Label und einem Sandwich vom hauseigenen Imbiss, dem „Roadkill Café“, machen wir es uns auf der Terrasse unter einem Sonnenschirm bequem.

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Wir beobachten die Reisenden, die kommen und gehen. Aus drei Bier werden sechs, aus sechs Bier werden neun und so geht es weiter… Wir fühlen uns so wohl, dass wir garnicht merken, wie betrunken wir eigentlich schon sind. „Ronnies Sexshop“ ist wie ein zweites Wohnzimmer, nur im Freien. Wir sind mehr als glücklich und die Stunden vergehen wie im Flug. Da die Sonne schon tief am Horizont steht, beschließen, wir auf die Dachterrasse zu steigen, um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen. Oben angekommen, bietet sich uns eine völlig neue Perspektive auf die umliegende Landschaft. Wir balancieren rülpsend auf den Mauern, die als Brüstung dienen, und genießen die Aussicht. Über unseren Köpfen ziehen dicke Quellwolken am blauen Himmel entlang und der Wind bläst uns durchs Haar. Mitten im Nirgendwo, auf dem Dach unserer neuen Lieblingsbar, fühlen wir uns frei wie nie zuvor. So frei wie man sich in einem goldenen Käfig aus Bier nur fühlen kann. Eigentlich wollen wir heute noch aufbrechen, doch die Promillezahl macht uns einen Strich durch die Rechnung.

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Vor lauter Glückseligkeit ist keiner von uns nüchtern genug geblieben, um noch weiterfahren zu können. Wir grübeln, ob wir im Auto schlafen, oder doch hinter der Theke. Als wir Ronnie fragen, ob er weiß, wo wir heute Abend unterkommen können, antwortet er augenzwinkernd: „She can stay with me“ und deutet auf Hanna „You Guys have to leave“. Er lacht und erklärt uns, dass er das leider seiner Frau beibringen müsste, wenn er Hanna mit nach Hause nimmt. Er rückt also von seinem Plan ab, Hanna zu entführen und empfiehlt uns „Hot Springs“. Wir schauen ihn fragend an, bis er uns erklärt, dass Hot Springs der Warmwaterberg Spa ist.

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Der Warmwaterberg Spa liegt nicht mal einen Schildkrötensprung weit entfernt, auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Hot Springs“ bietet nicht nur eine Unterkunft zum Ausnüchtern, sondern auch Pools, die mit 44 Grad warmen Quellwasser gefüllt sind. Es wird langsam dunkel und so verlassen wir Ronnie, um mit dem Auto (ja Auto) in Schrittgeschwindigkeit zum Hotel zu fahren. Anmerkung der Redaktion: Wir mussten nur von der einen auf die andere Straßenseite, wo es einen kleinen Privatweg hoch zum Hotel geht, sonst hätten wir den Wagen natürlich stehen lassen.
 

DER WARMWATERBERGSPA

Ohne Ronnies Hilfe, hätten wir den Warmwaterbergspa  wohl niemals entdeckt. Über einen holprigen Schotterweg gelangen wir zum Hotel. Eigentlich ist es weniger ein Hotel, sondern viel mehr eine Mischung aus Motel und Jugendherberge. Die Rezeption ist abgeschlossen und an der Tür verweist ein Schild auf eine Kontaktnummer. Nachdem wir unser letztes Guthaben vertelefoniert haben, kommt nach einer gefühlten halben Ewigkeit ein Wagen angerollt und ein altes, klappriges Männchen steigt aus. Der freundliche Opa zeigt uns unser Zimmer, mit einer mini Einbauküche und erklärt uns, wo wir noch essen können. Mit Bärenhunger gehen wir zu dem Restaurant nebenan. Das Lokal ist ziemlich leer und wir nehmen an einem Tisch in der Mitte Platz. Wir werden freundlich und fröhlich in Empfang genommen und bestellen einstimmig Schnitzel. („SCHNITTZEEEELLL!“) Unsere Angst, dass Essen könnte in einem „Restaurant“ mitten in der Einöde grausam schmecken, ist zum Glück völlig unberechtigt. Die Schnitzel sind göttlich. Die Portionen sind so groß, dass wir Mühe haben alles auf zu essen. Dank Mikey, der immer Hunger für drei hat, schaffen wir es trotzdem. Nachdem unsere Teller leergefuttert sind, kugeln wir glücklich zurück zu unserem Zimmer. Draußen ist es mittlerweile dunkel. Nur die Pools leuchten versteckt durch die Bäume und Büsche. Wir schlüpfen in unsere sexy Speedotangas/Guccibeachwear, schlendern über das nasse, kühle Gras und steigen in den kochend heißen Pool. Dicke Nebelschwaden hängen über dem Wasser und nur das Becken wird schwach von Lampen unter der Oberfläche beleuchtet. Entspannt richten wir unsere Blicke Richtung Himmel und sind baff.

 

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Wir haben noch nie zuvor so unendlich viele leuchtende Sterne da oben hängen sehen. Ganz sicher. Wir, mitten im Nirgendwo, vollgefressen, halb betrunken, in einem heißen Pool und die Milchstrasse direkt vor der Nase. Abartig schön und kaum noch in Worte zu fassen. Nach einer gewissen Zeit drohen wir zu verglühen und springen deshalb in das benachbarte, eiskalte Becken. Fröstelnd geht’s zurück zum Zimmer um dort todmüde ins Bett zu rollen. Es war ein wunderbar anstrengender Tag.

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Mikey, der wie immer Hummeln im Arsch hat und als erster wach ist, zeigt uns am nächsten Morgen das Badezimmer, dass aussieht wie ein Schlachtkeller mit Duschkopf. Creepy, aber sauber mit fließendem Wasser. Die Klospülung lässt sich übrigens mit einer von der Decke herab hängenden Eisenkette betätigen. Fehlt nur noch, dass ein kleiner Clown auf dem Dreirad vorbei fährt und sagt „Lass uns ein Spiel spielen“.

Am liebsten würden wir noch einen Tag anhängen, als wir uns den Warmwaterbergspa bei Tageslicht sehen. Der Garten ist wie ein kleine Oase in der Wüste. Palmen spenden Schatten, das Gras hat ein sattes Grün und die Blumen blühen in allen Farben die man sich vorstellen kann. Wir sehen sogar einen jungen Pfau der unkoordiniert zwischen den Pflanzen umherhüpft und dann über unsere Veranda stolziert.  (Zitat Pfau: „Ey Mann, ich bin ein Pfau, ihr müsst mich fliegen lassen“). Ein wenig traurig packen wir unsere Sachen und fahren nach dem Check out zurück auf die Route 62.

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Der Tag bei Ronnie samt der ungeplanten Nacht im Warmwaterbergspa war der perfekte Abschluss von unserem Roadtrip nach Wilderness. Wir haben neue Leute kennengelernt, waren betrunken und haben mitten in der Einöde, in einem Pool, die Sterne am Himmel leuchten sehen. Und so blicken wir auf drei wunderschöne Tage zurück, während wir auf dem Highway Richtung Kapstadt fahren.

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